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Edition: Tagebücher des Fürsten Christian II.

 

 

 

 


Die digitale Edition der Tagebücher des reformierten Fürsten Christian II. von Anhalt-Bernburg (1599-1656) wird einen quantitativ wie qualitativ ganz einzigartigen Brennspiegel der deutschen bzw. europäischen Geschichte und der vielfältigen Diskurse im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges erschließen. Das von 1621 bis 1656 mit einigen kürzeren Unterbrechungen geführte Diarium befindet sich im Landeshauptarchiv Dessau-Roßlau und umfasst 23 Bände mit ca. 17.400 größtenteils eigenhändig beschriebenen Seiten. Die täglichen Aufzeichnungen dieses politisch eher bedeutungslosen Reichsfürsten überragen nicht nur auf Grund ihrer thematischen Fülle, feinsinnigen Bildungsrhetorik und „subjektiven“ Expressivität sämtliche bislang bekannten deutschen Selbstzeugnisse der Epoche. Sie bieten darüber hinaus einen enormen Fundus an vielschichtigen historischen Informationen, welche die Frühneuzeitforschung auf nahezu allen ihrer aktuellen Felder inspirieren können, unter denen laufende wie künftige Untersuchungen zu autobiographischem Schreiben, zur Politik- und Militärgeschichte, zur Konfessionalisierung, zur Sozial-, Alltags- und Geschlechtergeschichte, zur Geschichte des Adels, zur Kultur-, Sprach- und Literaturgeschichte sowie zur Geschichte der Emotionen und des Traumes am stärksten von der Auswertung dieser interessanten Quelle profitieren dürften.

Die Realisierung des Projekts erfolgt in Kooperation mit der Herzog-August-Bibliothek (HAB) in Wolfenbüttel und ist als ein durch die DFG finanziertes Langfristvorhaben geplant. Innerhalb der dreijährigen Pilotphase ab November 2013 wird zunächst die knapp 1.500 Seiten umfassende Zeitspanne vom Januar 1635 bis August 1637 ediert. Die baldmöglichst auf dem HAB-Server ins Netz zu stellende Internetprojektseite soll eine Einführung in das Gesamtprojekt (inklusive der obligatorischen Editionsrichtlinien), spezielle Suchmasken für Orte, Personen und den Volltext, die datenweise abrufbaren Tagebuchjahrgänge neben Farbscans der Originalseiten, die Transkriptionen (auch als Druckversion) mit kurzen Einleitungen und ggf. notwendigen Übersetzungen, tabellarische und kartographische Itinerare, ein Orts- bzw. Personenregister, einen Glossar heute unverständlicher Begriffe sowie Kartenmaterial für das Fürstentum Anhalt, das Heilige Römische Reich und den europäischen Kontinent in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts als wichtigste Benutzungshilfen offerieren. Das Vorhaben begleitet ein Beirat aus fünf einschlägigen Wissenschaftlerinnen bzw. Wissenschaftlern.

Alle Ergebnisse und Benutzungshinweise werden unter dem Projektportal www.tagebuch-christian-ii-anhalt.de veröffentlicht.

 

Artikel von Herrn Dr. Rembert Unterstell aus dem Printmagazin der DFG "forschung"


 

Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg:

Prof. Dr. Ronald G. Asch (Leiter der Freiburger Arbeitsstelle)

Dr. Arndt Schreiber (Wissenschaftlicher Mitarbeiter)

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