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Laufende Dissertationen

 

Edinger, Silke

Machtstrukturen im Umbruch? Die kursächsischen Räte zwischen Nähe und Distanz zu ihren Kurfürsten.

 

 

Die Dissertation legt ihren Schwerpunkt auf die Regierungszeit Moritz' von Sachsen als Kurfürst (1547-1553), weil diese relativ kurze Zeit von Umbrüchen auf Reichs- und auf regionaler Ebene gekennzeichnet ist.
Machtdurchdringung war in der Vormoderne nur durch persönliche Nahbeziehungen möglich. Von dieser These ausgehend, ist der Wechsel der Kurfürstenwürde von der ernestinischen Linie der Wettiner zur albertinischen von besonderem Interesse. Die beiden wettinischen Linien hatten seit ihrer Teilung 1485 in einem Konkurrenzverhältnis gestanden - entsprechend unterhielten, so die These, beide Linien unterschiedliche Klientelsysteme. Den Umbruch in der Klientel, der mit dem Austausch des Landesherrn einherging und deren Reaktion daran, sucht die Dissertation abzubilden. 1547 konnte es noch keinesfalls sicher sein, dass die Kurwürde auf Dauer bei den Albertinern bleiben würde, woraus sich die Frage ableitet, wie das Klientelsystem sich verhielt. Hielten sie sich möglicherweise mehrere Optionen offen? Gab es Gewinner und Verlierer?
Zusätzlich kam wenige Jahre später der innerhabsburgische Konflikt um die Erbfolge im Heiligen Römischen Reich zum Tragen, der dafür sorgte, dass sich der Römische König in ungekannter Intensität mittels Gesandtschaften an regionale Entscheidungsträger wandte. In dieser Situation im Vorfeld der Fürstenverschwörung stellt sich deshalb für die sächsischen Landsassen die Frage, ob sie die sich überlagernden Konfliktlinien dazu nutzten, sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Exemplarisch wird dazu die Familie Schönburg-Glauchau in den Blick genommen, die ihren unklaren Rechtsstatus in dieser Zeit dazu nutzte, einen Rechtsstreit zu führen, um als reichsunmittelbar anerkannt zu werden. Ob hier ein Zusammenhang mit den makropolitischen Umbrüchen besteht, wird die Arbeit untersuchen.
 
Kontakt: silkeedinger [at] yahoo.de
 
 
 
Ketterer, ChristophPolitische Predigten in England, 1660-1702

 

Im Rahmen des Projektes wird die politische Dimension von Predigten in England im Zeitraum von 1660 bis 1702 analysiert. Die Zeit der Restauration nach 1660 und der anschließenden Glorious Revolution 1688/89 ist gekennzeichnet von vielfältigen politischen und (inter)konfessionellen Spannungen und Diskussionen, vor allem hinsichtlich der Stellung des Monarchen im Verfassungsgefüge und des Verhältnisses der anglikanischen Staatskirche zu konfessionell abweichenden Gruppierungen. Die Predigt als gleichsam religiöse wie politische Botschaft hat bei der Einordnung und Analyse dieser Situation großen Erkenntniswert, der noch nicht ausreichend gewürdigt wurde. Dies gilt besonders für solche Predigten, die vor Zuhörern aus der gesellschaftlichen Elite gehalten wurden. Inwiefern politische und religiöse Aspekte bzw. Geschehnisse hier angesprochen und kommentiert werden konnten, ist daher eine der zentralen Fragestellungen der Arbeit. 

Die Quellenbasis der Untersuchung besteht vor allem aus Predigten bei Hofe und vor dem Parlament, jedoch auch solchen, die an den Inns of Court (Vereinigungen der Rechtsgelehrten) und an den Universitäten Oxford und Cambridge gehalten wurden.

 
Kontakt: christoph.ketterer [at] gmail.com
 
 
 
Kruse, Gerrit

Das Fortleben des konfessionellen Konflikts unter besonderer Berücksichtigung Kursachsens 1670-1760

 

In den Jahrzehnten nach 1648 konvertierten zahlreiche protestantische Reichsfürsten zum Katholizismus. Dies geschah in einer Phase, in der konfessionelle Konflikte vermeintlich ihre gesellschaftliche Sprengkraft verloren hatten, sodass Verrechtlichung und institutionalisierte Formen der Konfliktaustragung das Bild bestimmten. Die Konversion Friedrich Augusts I. von Sachsen im Jahr 1697 war einer der bedeutendsten Glaubenswechsel in dieser Zeit im Reich. Jedoch schlägt die lange Zeit in der Forschung verbreite Annahme, der wenig religiöse Herrscher hätte keine Religionspolitik betrieben, genauso fehl, wie die These, dass konfessionelle Konflikte im Kernland der Reformation erst durch diesen Schritt ausgelöst worden wären. Die in der Residenzstadt Dresden abgehaltenen katholischen Messen waren bereits in den 1670er Jahren zu einem Streitpunkt zwischen städtischem Rat und kurfürstlicher Verwaltung geworden.
Dieses Forschungsvorhaben befasst sich deshalb mit den Auswirkungen, die eine sich etablierende katholische Minderheit in protestantischen Territorien nach sich zog. In diesem Zusammenhang ist auch die Bedeutung einer Fürstenkonversion in einem durchkonfessionalisierten Territorium zu bewerten. Wie reagierte die lutherisch-orthodoxe Geistlichkeit auf die Gefahr eines „Simultaneums“? Welche gesellschaftlichen Auseinandersetzungen lösten die Etablierung katholischer Kirchen, Friedhöfe und anderer Einrichtungen aus? Welche Spannungen entstanden zwischen sächsischen protestantischen Adeligen und hinzugezogenen katholischen Adeligen, die von Friedrich August I. gezielt mit Hofämtern betraut wurden? Zudem können die Auswirkungen der innersächsischen Konflikte auf die Reichsebene nicht außer Acht gelassen werden, da Sachsen auch nach der Konversion seines Herrschers das Direktorium des Corpus Evangelicorum behauptete.

 
Kontakt: kruse [at] posteo.de
 
 
 
Minelli, Kelly

Demokratisierung des Heroischen? Heroische Selbstdarstellung und Heldenbilder in militärischen Selbstzeugnissen 1750-1815

 

Die Sattelzeit war geprägt von einem tiefgreifenden Wandel der Kriegsführung, vielfältigen Militärreformen und damit einhergehend einer Transformation des Soldatenbildes. Insbesondere die Französische Revolution markierte hier einen Wendepunkt: Das neue Ideal des Bürgersoldaten, der für sein Vaterland und seine Freiheit kämpft, wurde nicht nur an alle Bevölkerungsschichten herangetragen, sondern führte dazu, dass sich die Stellung und das Ansehens der Soldaten in der Gesellschaft positiv veränderten. Die zusätzliche Verbindung mit einem neuartigen Patriotismus und mit der Vorstellung der Vaterlandsehre führte zu einer Ideologisierung der militärischen Leitbilder, die in den Befreiungskriegen auf deutscher Seite mit der Vorstellung des Nationalkriegers übernommen wurde. Diese Veränderung der militärisch-soldatischen Leitbilder ging mit einer Formierung neuer Heldenbilder und einer Demokratisierung des Heroischen in der nationalen Propaganda einher: Nicht nur für adlige Offiziere stehe der Heldenruhm nunmehr in Aussicht, sondern jeder einfache Soldat könne ebenfalls ein Held sein. So wurde während der Französischen Revolution diese Vorstellung durch die in sehr hoher Auflage von der Regierung herausgegebenen Recueil des Actions Héroïques et Civiques des Républicains Français unter den Soldaten verbreitet, und auch in Deutschland während der Befreiungskriege durch Adlige und insbesondere durch die bürgerlichen Intellektuellen in Flugschriften, Presseartikeln und Liedern wiedergegeben. Hier stellt sich die Frage, inwiefern dieser Typus des Heroischen von den Hauptadressaten – den Mitgliedern des Militärs – aufgenommen und rezipiert wurde. Das Dissertationsprojekt untersucht in einem deutsch-französischen Vergleich die Selbstzeugnisse (Memoiren, Tagebücher, Autobiographien und Tagebücher) einfacher Soldaten und Offiziere, und fragt nach deren Projektionen des Heroischen.

 
Kontakt: kelly_minelli [at] hotmail.com
 
 
 
Schlüter, Andreas

Krieger in der Krise. Wandel des Heroischen bei adligen Militärs in England und Frankreich (1580-1630)

 

Als Westeuropas Gesellschaften um 1600 von tiefgreifenden Umbrüchen umgepflügt wurden, setzte der Held zum Höhenflug an: In England und Frankreich, den beiden Gesellschaften, die in ihren ähnlichen Strukturen und ihren vielfältigen Verflechtungen und Transferprozessen dem Projekt seinen Ort geben, wurde der Begriff „Held“ in den letzten Jahrzehnten des 16. und den ersten des 17. Jahrhunderts immer häufiger verwendet. In dieser Vorsattelzeit der Moderne, in der die Verdichtung von Herrschaft einherging mit konfessionellen Kämpfen und damit einer Politisierung individueller Glaubensdispositionen zu kollektiv verbindlichen Ideologien, veränderte sich der Gebrauch des Heldenbegriffs nicht nur quantitativ: In meiner Dissertation untersuche ich die qualitativen Veränderungen der Figuren, die Helden genannt oder in anderer (etwa performativer) Form als Helden konstruiert wurden. Es geht mir darum, die mögliche Akzentverschiebung vom Krieger zum Märtyrer nachzuzeichnen, in das historische Umfeld einzuschreiben und im Rahmen der krisenhaften Entwicklung der Zeit zu erklären. Diese Veränderungen untersuche ich in verschiedenen Medien der Selbst- und Fremd-Darstellung hochadliger Militärs im Umfeld der jeweiligen Krone; gerade bei ihnen lässt sich eine Veränderung in der Konstruktion des (nicht mehr fast ausschließlich militärischen) Helden zeigen. Aus der Perspektive einer Kulturgeschichte des Politischen werden dabei immer Motivationen, Deutungen und Interessen der Akteure in ihren jeweiligen Macht- und Herrschaftsstrukturen mitgedacht. Möglicherweise hat sich dabei eine kulturspezifische oder sogar kulturübergreifende politische Sprache des Heroischen jenseits des Schlachtfeldes ausgebildet, deren Nutzer, Funktionen und Gebrauch in dieser Zeit des Umbruchs zu bestimmen sind.
 
Kontakt: amsbristol [at] web.de
 
 
 
Vössing, Leo

Die Umdeutung des Helden – Die Entstehung und Entwicklung heroischer Traditionen im Kontext proto-nationaler Identitäten in Schottland 1707-1830


Das Dissertationsprojekt will schottische Heldennarrative in ihrer Korrelation mit sich verändernden proto-nationalen Identitätsvorstellungen untersuchen. Im Zentrum der Arbeit soll die Entstehung und Entwicklung solcher Erzählungen im Zeitraum zwischen 1707, dem Ende der staatlichen Unabhängigkeit des Landes, und ca. 1830 stehen. In dieser Zeit wurden Heldendarstellungen in Schottland ein zentrales Element der popular culture und die veränderte politische Konstellation führte zu einer Transformation heroischer Überlieferungen, hauptsächlich infolge der Verschmelzung der eigentlich primär dynastisch/supranationalen Programmatik des Jakobitismus mit dem Kampf für nationale Autonomie. Die Konjunktur dieser jakobitischen Heldentraditionen sollte den Jakobitismus selbst, zumindest als politisch relevante Bewegung, weit überdauern. Nach dessen militärischer Niederlage 1746 setzte eine sentimentale Romantisierung ein, welche sie, da sie mit einer Entpolitisierung einherging, auch für das Establishment des sich verfestigenden britischen Staates salonfähig machte.
Ausgehend von diesen Betrachtungen soll die Untersuchung spezifischer Heroisierungsprozesse in Schottland Aufschluss darüber geben, welche unterschiedlichen Vorstellungen von Identität durch die um Heldenfiguren konstruierten Narrative hervorgebracht und gefördert wurden. Inwieweit vollzogen sich Heroisierungen entlang langfristiger gesellschaftlicher Konfliktlinien und wie wirkten die Art und Akzentuierung der heroischen Narrationen auf ihre Rezipienten, deren Selbstbild und Selbstverständnis? Da heroische Traditionen aber nicht nur Ursprung, sondern ihrerseits selbst auch Ausfluss solcher kollektiven Vorstellungen und Bilder waren, hier also weniger von einer einseitigen Beeinflussung, sondern vielmehr von einer Korrelation zwischen Narrativ und Umwelt ausgegangen werden muss, ist auch nach den politischen und religiösen Faktoren zu fragen, die ihre Entstehung und Entwicklung determinierten. Schließlich muss auch in den Blick genommen werden, auf welche Weise Heldengeschichten in Schottland produziert wurden und wer sie produzierte. Wer waren die jeweiligen Akteure, was ihre medialen Instrumentarien und wer ihre Zielgruppen? Neben den sich verändernden Leitbildern soll also zusätzlich nach der Entwicklung der Medienlandschaft und des Auditoriums heroischer Erzählungen gefragt werden.
 
Kontakt: leo.voessing [at] gmx.de
 
 
 

 

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