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Lehrveranstaltungen

Wintersemester 2018/19

 

Vorlesungen

  Überblicksvorlesung: Geschichte Brandenburg-Preußens 1648-1815
Dozent
asch_brbt  Prof. Dr. Ronald G. Asch
Termin
Beginn: 17.10.2018
Mi., 10 - 12 Uhr
KG I - HS 1199
Kommentar

Die Vorlesung soll einen Überblick über die Geschichte Preußens vom Westfälischen Frieden bis zur Napoleonischen Epoche bieten. Dabei soll der politische Strukturwandel („Absolutismus“) ebenso berücksichtigt werden, wie der Wandel der sozialen Verhältnisse. Mit Blick auf das 18. Jahrhundert soll die Vorlesung die Frage nach der Reformfähigkeit des preußischen Ancien Régime aufgreifen. War der Zusammenbruch nach Jena und Auerstedt eine notwendige Folge veralteter politischer und nicht zuletzt auch militärischer Strukturen, oder eher die kontingente Wirkung einer besonderen machtpolitischen Konstellation?
 
Zu erbringende Studienleistung: Klausur
 
 
Literatur
W. Neugebauer, Die Hohenzollern, 2 Bde. Stuttgart, 1996, 2003; Chr. Clark, Preußen, Aufstieg und Niedergang 1600-1947, 8. Aufl. 2008; B. Sösemann u. Gregor Vogt-Spira (Hg.), Friedrich d. Gr. in Europa, 2 Bde, 2012; F. Schuh, Rebellious Prussians: Urban Political Culture under Frederick the Great and his Successors, 2013; W. W. Hagen, Ordinary Prussians: Brandenburg junkers and villagers, 1500 – 1840, 2002.

Masterseminare

 

Wie führt und beendet man Religionskriege? Konfessionelle Konflikte und Kompromisse im Europa der Frühen Neuzeit 1547-1714

Dozent
asch_brbt  Prof. Dr. Ronald G. Asch
Termin
Beginn: 16.10.2018
Di., 14 - 16 Uhr
Breisacher Tor - R. 0105
Kommentar
Religiöse Konflikte sind ein auch für die Gegenwart durchaus aktuelles Thema. In der Frühen Neuzeit drohten die auf die Konfessionsspaltung zurückgehenden Konflikte den Kontinent zu zerreißen. Nur sehr langsam und mühevoll lernte man mit konfessioneller Pluralität zu leben - jedenfalls in den Beziehungen zwischen den Staaten, innerterritoriale Toleranz war noch um 1750 eher die Ausnahme als die Regel. Das Seminar soll einen Blick auf die Französischen Religionskriege, den War of the Three Kingdoms auf den britischen Inseln (1638-1652) und den Dreißigjährigen Krieg werfen, aber auch kleinere Konflikte, respektive das Fortleben konfessioneller Spannungen bis ins 18. Jahrhundert, mit berücksichtigen. Eine besondere Aufmerksamkeit soll sich dabei auf die Versuche richten, zu einem Ausgleich zwischen den streitenden Parteien zu gelangen – Beispiele sind das Edikt von Nantes (1598), der Westfälische Frieden, aber auch die Toleranzgesetzgebung in England und Schottland 1688/89. Berücksichtigt werden sollen aber auch die Beziehungen zwischen christlichen Mächten und dem Osmanischen Reich, die freilich nicht notwendigerweise primär durch religiöse Konflikte, sondern oft auch durch eher machtpolitische Gegensätze geprägt waren.
 
Leistung:
Das Abgabedatum für die Hausarbeiten ist der 15. März 2019. Mündliche Prüfungen nach individueller Absprache zwischen dem 4. Februar 2019 und dem 11. April 2019.
 
 
Literatur
P. Buc, Heiliger Krieg: Gewalt im Namen des Christentums, 2015; F. Brendle (Hg.), Religionskriege im Alten Reich und in Alteuropa, 2005; A. Schäfer-Griebel, Die Medialität der Französischen Religionskriege: Frankreich und das Heilige Römische Reich 1589, 2018; C. Prior (Hg.), England's wars of religion, revisited, 2011; W. Palaver (Hg.), The European wars of religion: an interdisciplinary reassessment of sources, interpretations, and myths, 2016: D. el Kenz et al. (Hg.), Guerres et paix de religion en Europe aux 16e - 17e siècles, 2008.

Hauptseminare

  Der Wandel monarchischer Herrschaft in Europa 1589-1789
Dozent
asch_brbt  Prof. Dr. Ronald G. Asch
Termin
Beginn: 22.10.2018
Mo., 14 - 16 Uhr
KG IV - Übungsraum 2
Kommentar
Im Jahr 1589 wurde Heinrich III. von Frankreich ermordet. Sein Tod markiert einen Tiefpunkt der Monarchie in Frankreich, aber auch eine Krise des Königtums in Europa insgesamt. Das Seminar soll die Frage behandeln, wie monarchische Herrschaft im 17. Jahrhundert restabilisiert wurde und sich im 18. Jahrhundert mit den Herausforderungen auseinandersetzte, die die Aufklärung, aber auch das Ideal eines bürgerlichen Patriotismus darstellten. Der Wandel zum „Absolutismus“, oder doch zumindest zu einer Form von Herrschaft, die weniger konsultativ war als im 16. Jahrhundert, soll ebenso thematisiert werden, wie die Sonderrolle, die weibliche Herrscherinnen oder Regentinnen spielten. Im Mittelpunkt soll dabei nicht die Frage nach dem Schicksal einzelner Monarchen oder Monarchinnen, sondern die nach dem Wandel der politischen Kultur Europas in der frühen Neuzeit stehen, denn mit wenigen Ausnahmen wurden fast alle Länder Europas von Königen oder Fürsten beherrscht. Dabei sollen auch die höfische Kultur und die symbolische Darstellung von Autoritätsansprüchen durch Zeremoniell und politische Rituale berücksichtigt werden.
 
Leistung:
Das Abgabedatum für die Hausarbeiten ist der 15. März 2019.
Mündliche Prüfungen nach individueller Absprache zwischen dem 4. Februar 2019 und dem 11. April 2019.
 
 
Literatur
J. Duindam, Dynasties: a global history of power, 1300-1800, 2016; ders., Vienna and Versailles: the courts of Europe's dynastic rivals, 1550 – 1780, 2003; B. Stollberg-Rilinger, Des Kaisers alte Kleider: Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des Alten Reiches, 2008; R. G. Asch, Sacral kingship between disenchantment and re-enchantment: the French and English monarchies 1587 - 1688 , 2014; C. Harris, Queenship and revolution in early modern Europe: Henrietta Maria and Marie Antoinette, 2016; L. Oakley-Brown, The rituals and rhetoric of queenship: medieval to early modern, 2009; I. Pébay-Clottes et al. (Hrsg.), Régicides en France et en Europe (XVIe –XIXe siècles), Paris 2017; D. Raeymaekers / S. Derks (Hg.), The Key to Power? The Culture of Access in Princely Courts, 1400-1750, Leiden 2016.

Kolloquium

 
 Forschungskolloquium der Frühen Neuzeit
 Dozent
asch_brbt  Prof. Dr. Ronald G. Asch
 Termin
Beginn: 15.10.2018
Mo., 18 - 20 Uhr
KG IV - 4429
 Kommentar
 
Das Kolloquium soll Studierenden in höheren Studiensemestern die Möglichkeit geben ihre BA-, Master- und Zulassungsarbeiten sowie ihre Examensthemen vorzustellen. Außerdem werden wichtige Neuerscheinungen gemeinsam diskutiert. Das Programm wird durch Vorträge auswärtiger Wissenschaftler/innen ergänzt.
 
 
 Literatur
 -

 Übung

  Lektüre von Forschungsliteratur zur Geschichtswissenschaft
Dozent   Prof. Dr. Ronald G. Asch
Termin
Einmaliger Termin: 25.10.2018
18-20 Uhr (c.t)
KG IV - Übungsraum 2
Kommentar
 
Das Mentorat verfolgt das Ziel, Studierende mit grundlegenden Monographien und grundlegenden Forschungsfragen der Frühen Neuzeit vertraut zu machen. Von jedem Teilnehmer wird dabei eine Lektüreleistung von ca. 800 bis maximal 1.200 Seiten verlangt. Die Lektüre wird durch einführende Gespräche mit dem Leiter der Veranstaltung begleitet und am Ende des Semesters mündlich abgeprüft. Die Auswahl der zu lesenden Werke ist eine partiell subjektive, spiegelt aber die Schwerpunkte der Lehre in der Frühen Neuzeit hier in Freiburg wider.
 
Anmerkung:
Das Mentorat wendet sich ausschließlich an Studierende des Master of Education für das Lehramt Gymnasium.
 
 
Literatur
R. G. Asch (Hrsg.): Der europäische Adel im Ancien Régime. Von der Krise der ständischen Monarchie bis zur Revolution (ca. 1600 – 1789), Köln/Weimar/Wien 2001. G. Burgess: British Political Thought 1500-1660. The politics of the post-reformation, Basingstoke 2009.James B. Collins: The State in Early modern France, Cambridge 2009. (Erstausgabe 1995) W. Doyle (Hrsg.): The Oxford Handbook of the Ancien Régime, Oxford 2012. J. F. J. Duindam: Vienna and Versailles. The courts of Europe’s dynastic rivals 1550 – 1780, Cambridge 2003. J. H. Elliott: Empires of the Atlantic World. Britain and Spain in America 1492 – 1830, New Haven 2006. J. A. Guy: Tudor England, Oxford 1988. C. Jones: The Great Nation. France from Louis XV to Napoleon 1715 – 1799, London 2002. T. Kaufmann: Erlöste und Verdammte. Eine Geschichte der Reformation, München 2016. D. MacCulloch: Reformation. Europe’s house divided, 1490 – 1700, London 2003. W. Neugebauer: Die Hohenzollern, 2 Bde, Stuttgart/Berlin/Köln 1996 und 2003. A. Pagden: The enlightenment and why it still matters, Oxford 2013. (auch erschienen in New York 2013) J. G. A. Pocock: The Ancient Constitution and the Feudal Law. A study of English historical thought in the 17. Century, Cambridge 1957. B. Roeck: Der Morgen der Welt. Geschichte der Renaissance, München 2017. H. Schilling: Konfessionalisierung und Staatsinteressen. Internationale Beziehungen 1559-1660,Paderborn 2007. G. Schmidt: Die Reiter der Apokalypse. Geschichte des Dreißigjährigen Krieges, München 2018. G. Schmidt: Geschichte des Alten Reiches. Staat und Nation in der Frühen Neuzeit 1495 – 1806, München1999. B. Stollberg-Rilinger: Des Kaisers alte Kleider. Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des Alten Reiches, München 2008. P. H. Wilson: Heart of Europe. A History of the Holy Roman Empire, Cambridge (MA) 2016. T. Winkelbauer: Ständefreiheit und Fürstenmacht, 2 Bde, Wien 2003.

 

Proseminare 


Frankreich im Zeitalter Ludwigs XIV.
Dozent
bild kühner  Dr. Christian Kühner
Termin
Beginn: 18.10.2018
Do., 16 - 18 Uhr
KG IV - Übungsraum 2
Kommentar
 
Die Regierungszeit Ludwigs XIV., der von 1643 bis 1715 über Frankreich herrschte, gilt bis heute als eine besonders bedeutende Epoche der französischen Geschichte. Unter der Herrschaft des Sonnenkönigs kam der Staatsbildungsprozess entscheidend voran; hier wird zu betrachten sein, wie das schablonenhafte Bild vom allmächtigen absoluten Monarchen von der neueren Forschung ersetzt worden ist durch das Konzept eines staatlichen Verdichtungsprozesses, an dem die Eliten Frankreichs entscheidenden Anteil hatten und von dem sie auch profitierten.

 

Durch die Eroberungen Ludwigs XIV. näherte sich die territoriale Gestalt Frankreichs bereits weitgehend derjenigen an, die das Land heute hat; ganze Regionen Frankreichs, wie beispielsweise die Franche-Comté, sind erst unter Ludwig XIV. Teil des Königreichs geworden. Die Außenpolitik des Königs wird in ihrem gesamteuropäischen Zusammenhang, insbesondere im Kontext der Rivalität des bourbonischen Frankreich mit den spanischen und österreichischen Habsburgern, zu betrachten sein.

 

Auch auf die höfische Gesellschaft von Versailles wird einzugehen sein, auch und gerade weil sie in der Forschung oft als das Paradebeispiel einer höfischen Gesellschaft untersucht wird. Diese Betrachtung ist nicht zu trennen von der französischen Kultur der Epoche. Das Zeitalter Ludwigs XIV. spielt beispielsweise in der französischen Literatur die Rolle, die dasjenige Goethes und Schillers in der deutschen spielt; unter Ludwig XIV. blühten aber auch die bildenden Künste, die Architektur, die Gartenbaukunst, die Musik. Dabei betrieben der König und seine Mitarbeiter eine gezielte Kulturpolitik, bei der die begabtesten Künstler und Schriftsteller Frankreichs mit königlichen Pensionen ausgestattet wurden und ihr Können so in den Dienst der Verherrlichung des Königs gestellt wurde.
 
 
Das Seminar will aber keineswegs die Betrachtung auf die Spitze von Staat und Gesellschaft beschränken, sondern auch die „zwanzig Millionen Franzosen“ (Pierre Goubert), über die Ludwig XIV. herrschte, mit in den Blick nehmen. Zu sprechen sein wird somit auch über eine Gesellschaft, die zum ganz überwiegenden Teil aus Bauern bestand; über die Städte und ihre Handwerker; über den Kleinadel und seine Herrschaft vor Ort; und über das Steuer- und Abgabensystem. In diesem Zusammenhang wird auch die mit dem Namen von Jean-Baptiste Colbert verbundene merkantilistische Wirtschaftspolitik zu betrachten sein.
Das Seminar versteht sich zum einen als Einführung in die Geschichte des frühneuzeitlichen Frankreich, will aber zum anderen an diesem Beispiel auch bewusst allgemeinere Grundfragen frühneuzeitlicher Staaten und Gesellschaften thematisieren.

In Verbindung mit dem Proseminar findet ein Pflichttutorat zu Methoden und Hilfsmitteln der Geschichte der Frühen Neuzeit im Umfang von 2 SWS statt: Freitags, 14-16 Uhr in Raum 4450. Tutor ist Tobias Edele.
 

Leistung:
Das Abgabedatum für die Hausarbeiten ist der 12. März 2019.
Mündliche Prüfungen nach individueller Absprache zwischen dem 4. Februar 2019 und dem 11. April 2019.
 
 
Literatur
Lothar Schilling, Das Jahrhundert Ludwigs XIV. Frankreich im Grand Siècle 1598-1715, Darmstadt 2010; William Beik, A Social and Cultural History of Early Modern France, Cambridge 2009; James B. Collins, The State in Early Modern France, Cambridge 2. Aufl. 2009; Lucien Bély, La France au XVIIe siècle. Puissance de l’Etat, contrôle de la société, Paris 2009; Lucien Bély, La France moderne, 1498-1789, Paris 2003; Pierre Goubert, Ludwig XIV. und zwanzig Millionen Franzosen, Berlin 1973; Anuschka Tischer, Ludwig XIV., Stuttgart 2017; Mark Hengerer, Ludwig XIV. Das Leben des Sonnenkönigs, München 2015; Martin Wrede, Ludwig XIV. Der Kriegsherr aus Versailles, Darmstadt 2015. 
 


Die Ansätze der Reformation im englischen und deutschen Sprachraum. Widersprüche und Gemeinsamkeiten zwischen den Initiatoren
Dozent

  Dr. Christopher Toenjes

Termin
Beginn: 22.10.2018
Mo, 9.30 - 12.30 Uhr
KG IV - Übungsraum 2
Kommentar
 
Der Eindruck einer einheitlichen Reformationsbewegung im 16. Jahrhundert ist irreführend. Im Gegenteil, die Reformation entwickelte sich von Anfang an in unterschiedliche Richtungen, geprägt von Spaltung und internem Streit. Das Proseminar wird einen Überblick der verschiedenen Richtungen innerhalb der protestantischen Reformation sowie über die Reformbestrebungen innerhalb der katholischen Kirche verschaffen. Wir werden die Entstehung und Ausbreitung der verschiedenen Konfessionen der Magistralen, d.h. die Reformbewegungen Luthers, Zwinglis und Calvins, und die “radikale” Reformation, vor allem die sogenannten Wiedertäufer, betrachten. Die wesentlichen Glaubensunterschiede dieser Bewegungen im deutschen Sprachraum und die Folgen der unterschiedlichen Glaubensrichtungen stehen im Mittelpunkt. Wir werden auch die turbulente Herausbildung des Protestantismus in England betrachten, wo die offizielle Religion zwischen den Regentschaften Heinrichs VIII. und Elizabeth I. nicht weniger als vier Mal binnen 30 Jahren wechselte. Der Glaube der meisten Engländer sah am Ende des 16. Jahrhunderts deutlich anders aus, als Heinrich VIII es sich vorgestellt hatte. Schließlich interessieren uns die Beweggründe für die enorme Standhaftigkeit der Anhänger der jeweiligen Konfessionen, die kompromisslos an den (häufig scheinbar minimalen) Unterschieden ihrer Glaubenssätze festhielten, selbst wenn es den Märtyrertod bedeutete.

Leistung:

Das Abgabedatum für die Hausarbeit ist der 25. März 2019. Mündliche Prüfungen nach individueller Abspreche zwischen dem 4. Februar 2019 und 11. April 2019.
 
 
Literatur
Kaufmann, Geschichte der Reformation (Frankfurt a/M 2009); Kaufmann, Der Anfang der Reformation (Tübingen 2012); Reinhard, Glaube und Macht: Kirche und Politik im Zeitalter der Konfessionalisierung (Freiburg im Breisgau 2004); MacCulloch, Reformation : Europe's house divided; 1490 - 1700 (London 2003); Blickle, Die Reformation im Reich (Stuttgart 2015); Jung, Reformation und Konfessionelles Zeitalter (1517–1648) (Göttingen 2012); Koch, Das konfessionelle Zeitalter – Katholizismus, Luthertum, Calvinismus (1563–1675) (Leipzig 2000,); Haigh, The English Reformation Revised (Cambridge 2000); Gregory, Salvation at Stake : Christian Martyrdom in Early Modern Europe (Cambridge (MA) 1999); Duffy, Saints, Sacrilege and Sedition. Religion and Conflict in the Tudor Reformations (London 2012)

 Übung


Mehrsprachigkeit im frühneuzeitlichen Europa
Dozent
bild kühner  Dr. Christian Kühner
Termin
Beginn: 17.10.2018
Mi., 11 - 13 Uhr
KG IV - R 4450
Kommentar
 

Während im Europa der Moderne bis hinein in die Gegenwart – zu denken ist hier etwa an die politische Krise in Katalonien – die Fragen, welche Sprache in einem Staat offiziell verwendet wird, ob ein Staat mehr als eine Amtssprache haben kann und wie Sprache und nationale Identität zusammenhängen, zentrale Themen politischer Konflikte gewesen sind, sind derlei Konflikte im vormodernen Europa weitgehend abwesend. Ausgehend von diesem Befund will die Übung nach Rolle und Praxis von Mehrsprachigkeit im frühneuzeitlichen Europa fragen. Die Thematik soll auf drei Ebenen erarbeitet werden, und zwar auf der politikgeschichtlichen, auf der sozialgeschichtlichen und auf der bildungsgeschichtlichen Ebene.

Auf einer ersten, politikgeschichtlichen Ebene ist nach der Rolle von Mehrsprachigkeit in den werdenden Staaten Europas zu fragen. Hier sind zum einen größere Reiche interessant: Wie gingen die zusammengesetzten Monarchien Europas mit der Mehrsprachigkeit um, die sich durch den Zusammenschluss verschiedener Länder zu einem Herrschaftsverband in diesem ergab? Hier ist zu denken an den Herrschaftsbereich der spanischen Habsburger, der ja nicht nur auf der Pyrenäenhalbinsel Gebiete kastilischer, katalanischer oder baskischer Sprache umfasste, sondern auch weite Teile Italiens und in Burgund und den Niederlanden französisch- und flämischsprachige Regionen. Die Frage gilt genauso für den anfangs fast ausschließlich durch die Dynastie zusammengehaltenen, erst allmählich verdichteten Territorialverband der österreichischen Habsburger, in dem man beispielsweise deutsch, tschechisch, ungarisch, slowakisch, slowenisch oder italienisch sprach. Die zunehmend von England dominierten britischen Inseln wuchsen zu einem Staatsverband zusammen, in dem neben Englisch auch Gälisch, Schottisch oder Walisisch gesprochen wurde. Aber auch ein staatsrechtlich weitgehend vereinheitlichter Staat wie Frankreich war sprachlich keineswegs einheitlich, sondern umfasste beispielsweise auch Gebiete, in denen man provenzalisch, bretonisch oder baskisch sprach. Zum anderen sind kleinere Gemeinwesen zu betrachten, die sich über eine oder mehrere Sprachgrenzen erstreckten; zu denken ist hier an Lothringen im Grenzraum zwischen Deutsch und Französisch, an Savoyen im Grenzraum zwischen Französisch und Italienisch oder an die Alte Eidgenossenschaft im Grenzraum zwischen Deutsch, Französisch und Italienisch.

Zum zweiten sind zwei Fragen auf der sozialgeschichtlichen Ebene zu stellen. Zum einen ist danach zu fragen, in welchen sozialen Räumen Mehrsprachigkeit gepflegt wurde. Das betrifft Schulen und Universitäten (Latein), Höfe (mit Prestigesprachen wie Französisch in Berlin und Italienisch in Wien), aber auch mehrsprachige Städte wie Prag (seit dem Mittelalter) und Straßburg (seit Ludwig XIV.). Zum anderen ist zu betrachten, welche sozialen Gruppen Mehrsprachigkeit praktizierten. Das betrifft Gelehrte und Kleriker (Latein), aber auch Adlige und Kaufleute (lebende Fremdsprachen, wenn auch bei beiden Gruppen mit unterschiedlicher Zielsetzung) sowie die Einwohner mehrsprachiger Städte wie etwa in Böhmen.

Drittens ist auf der bildungsgeschichtlichen Ebene danach zu fragen, wie Mehrsprachigkeit erworben und gepflegt wurde. Das Schulwesen war vor allem für die alten Sprachen wichtig. Für die lebenden Fremdsprachen sind die sogenannten Sprachmeister, also Privatlehrer für Fremdsprachen zu nennen (die ein von Mark Häberlein herausgegebener Sammelband jüngst eingehend untersucht hat), aber auch Auslandsaufenthalte (bei Kaufleuten) und Kavalierstouren und Adelsakademien (bei Adligen), schließlich in mehrsprachigen Städten und in sprachlichen Grenzgebieten auch die Alltagspraxis.
Da gerade Latein in der Frühen Neuzeit auch aktiv verwendet wurde – es war Unterrichtssprache der höheren Bildung und beispielsweise in Ungarn auch Verwaltungssprache – will die Übung bewusst den Umgang mit alten und modernen Fremdsprachen in der Zusammenschau betrachten.
 
 
Literatur
Thomas Nicklas/Matthias Schnettger (Hg.), Politik und Sprache im frühneuzeitlichen Europa, Mainz 2007; Teresa Gruber, Mehrsprachigkeit und Sprachreflexion in der Frühen Neuzeit. Das Spanische im Königreich Neapel, Tübingen 2014; Helmut Glück/Mark Häberlein/Konrad Schröder (Hg.), Mehrsprachigkeit in der Frühen Neuzeit. Die Reichsstädte Augsburg und Nürnberg vom 15. bis ins frühe 19. Jahrhundert, Wiesbaden 2013; Mark Häberlein, Fremde Sprachen in frühneuzeitlichen Städten. Lernende, Lehrende und Lehrwerke, Wiesbaden 2010; Mark Häberlein (Hg.), Sprachmeister. Sozial- und Kulturgeschichte eines prekären Berufsstandes, Bamberg 2015; Bodo Guthmüller (Hg.), Latein und Nationalsprachen in der Renaissance, Wiesbaden 1998.
 
 

 

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